20. Jahrestagung in Görlitz

Die 20. Jahrestagung der GASL fand vom 30. September bis zum 2. Oktober 2005 in Görlitz statt.

Tagungsprogramm Rahmenprogramm zur Tagung Tagungsbericht


Tagungsort war der »Johannes Wüsten-Saal« in der »Oberlausitzischen Bibliothek d. Wissenschaften«, (OLBdW), Neißstraße / Ecke Untermarkt.

Die Organisation vor Ort betreute Wolf-Dieter Krüger, die wissenschaftliche Leitung hatte Frank Legl.

Tagungsprogramm

Freitag, 30. September 2005

16:30 Begrüßung der Tagungsteilnehmer durch Bürgermeister Großmann, Görlitz
17:00 Mitgliederversammlung (Gäste willkommen)
18:00 Kurt Jauslin
Der Schlüssel im Haarnest
19:00 Abendessen in der »Nachtschmiede«, Obermarkt 18

Samstag, 01. Oktober 2005

09:00 Iannis Goerlandt
Die ›Corpi Juri‹ in Kaff auch Mare Crisium
10:00 Bernd Rauschenbach
Löffel und Gespenster
11:00 Guido Erol Öztanil
Erste Bilder-Liebe. Anmerkungen zu einem »Filmsternchen« in Arno Schmidts Julia
12:00 Friedhelm Rathjen
Kolderup auf Fanø. Topographische Untersuchungen zu Schmidts Die Schule der Atheisten
13:00 Mittagessen im »St. Johann« am Untermarkt
14:00 Stadtrundgang durch Görlitz mit Alexander Jerofsky. Treffpunkt: Untermarkt.Im Rahmen des Stadtrundganges findet eine Führung durch Arno Schmidts ehemalige Schule (mit Frau Schiefer, Direktorin der Schule) statt.
15:30 In der Aula wird Rudi Schweikert einen kurzen Vortrag halten. Thema: Arno Schmidts
Lieblingslehrer – »ein persönlicher Lieblingsschüler Einsteins«?
17:00 Ende des Rundganges.
19:00 Abendessen in der »Vierradenmühle«, Hother Straße 20

Sonntag, 02. Oktober 2005

09:00 Exkursion per Autobus nach Lauban und Greiffenberg, jeweils mit geführten Rundgängen dort zu Stätten mit Bezug zu Arno Schmidts Biographie und Werk.Im Rahmen des Stadtrundganges in Lauban wird Peter Sinram einen Vortrag halten zum Thema: Arno Schmidt und die Nähe zu Polen.
09:00 Dietmar Noering
»›Filigran‹ aber aus Stacheldraht« Von Buch zu Buch: Arno Schmidts Einfluß auf das Werk von Alfred Andersch
13:00 Mittagessen in Bertelsdorf / Lauban im »Restauracja Takis« (ehemals »Zum grünen Baum«).
18:30 Rückkehr nach Görlitz. Ende der Tagung.
19:00 Abendessen in der »Vierradenmühle«.

Rahmenprogramm der Tagung

Mittwoch, 24. August 2005

19:00 Alexander Jerofsky und Wolf Dieter Krüger: Arno Schmidt und Görlitz. (Ort: Stadtbücherei Görlitz, Jochmannstraße 2–3.)

Donnerstag, 29. September 2005

19:30 Vortrag und Lesung von Bernd Rauschenbach: Arno Schmidt. (Ort: Comenius-Buchhandlung, Steinstraße 15.)

Freitag, 30. September 2005

15:30 Führung durch die Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften.

Montag, 3. Oktober 2005

9:00 Fahrt mit dem Bus durch die »Görlitzer Heide« nach Halbau. Rundgang in Halbau mit Frau Weronika Nitschke: Bahnhof und Bahnhofstraße; Winklerwerke; Glasfabrik; die »Villa«; Sportplatz und Schwimmbad; Kirche (Boser-Bild); Schloss mit Japanischem Garten bzw. den Überresten davon; der »Nightclub«.
13:30 Rückkehr nach Görlitz.

Tagungsbericht

Den Tagungsbericht schrieb Iannis Goerlandt, Gent.

Eine Fotogalerie finden Sie auf der Homepage des GASL-Miglieds Alois Schütz.

Freitag, 30. September 2005

Vor dem eigentlichen Tagungsbeginn gab es die Gelegenheit, sich inmitten der Bücherpracht des historischen Bibliothekssaals der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften von der Anreise zu erholen. Bibliotheksdirektor Matthias Wenzel skizzierte die Geschichte dieser Bücherkathedrale, und scheute auch einige Schmidt-Referenzen nicht.
Zur Eröffnung der Tagung begrüßte der Görlitzer Kulturbürgermeister, Ulf Großmann, die Tagungsteilnehmer in seiner Stadt. Thema der Begrüßungsworte war die Bewerbung von Görlitz und ihrer polnischen Schwesterstadt Zgorzelec für den Titel von europäischer Kulturhauptstadt 2010, und Arno Schmidts Bedeutung für das kulturelle Leben Görlitz’. Anschließend fand die Mitgliederversammlung statt.
Kurt Jauslin (Vortrag verlesen von Klaus Legl)
Der Schlüssel im Haarnest
Kurt Jauslin war leider erkrankt, doch eine Kopie seines Vortrags hatte zum Glück Frank Legl rechtzeitig erreicht, und er übernahm den Eröffnungsvortrag. Jauslin ging auf die wundersame Wortmagie der Stürenburg-Geschichten ein, in denen die Wörter nicht immer bedeuten, was sie zu bedeuten scheinen. Anhand von einigen Beispielen, u. a. den Besonderheiten des Zigarette- und Zigarrenrauchens und den in die Irre führenden botanischen Namen, zeigte Jauslin, wie Detailketten die Geschichten von innen heraus destabilisieren können.

Samstag, 1. Oktober 2005

Iannis Goerlandt
Die ›Corpi Juri‹ in »Kaff auch Mare Crisium«
Iannis Goerlandt widmete sich der Isotopie des Rechts in »Kaff auch Mare Crisium«. Nach einer Analyse des politischen und parodistischen Werts der in der Mondfiktion genannten Rechtstexte und ihrer Geschichte ging Goerlandt auf die Verzahnungen mit der Handlung in der Giffendorfer Realität ein. Dort wird das Recht nicht nur als politisches Instrument benutzt, sondern das Abgrenzen von Jurisdiktionen wird auch als spielerisches Mittel im Kampf der Geschlechter eingesetzt. Außerdem färben die Bezugnahmen auf das Recht auf die literarische Struktur ab, wie aus der dem Roman vorangestellten Notiz hervorgeht.
Bernd Rauschenbach
Löffel und Gespenster
Bedeutungsschwangere doch hermetische Stellen in »Aus dem Leben eines Fauns« und »Die Abenteuer der Sylvesternacht« bildeten das Thema von Bernd Rauschenbachs Vortrag »Löffel und Gespenster«. Anhand von motivischen Zitatclusters exemplifizierte Rauschenbach wie die Kriegserinnerung in den Erzählungen sowohl anwesend als auch ausgeblendet ist, und wie Schmidt bewusst Leerstellen in seine Texte eingebaut hat, an denen eine sinnstiftende Lektüre scheitern muss.
Guido Erol Öztanil
Erste Bilder-Liebe. Anmerkungen zu einem ›Filmsternchen‹ in Arno Schmidts »Julia«
Guido Erol Öztanil kontextualisierte die Namensnennung des Filmsternchens Lya Mara in »Julia, oder die Gemälde«. Das reichlich vorhandene Fotomaterial und ein Filmausschnitt erlaubten eine Visualisierung der ersten, heutzutage nahezu vollständig vergessenen »Bilder-Liebe« Schmidts, ein in seinen Werken oft genanntes Motiv.
Friedhelm Rathjen
Kolderup auf Fanø. Topographische Untersuchungen zu Schmidts »Schule der Atheisten«
Friedhelm Rathjens Diavortrag setzte sich zum Ziel, den Ausflug nach Fanø in »Die Schule der Atheisten« nicht nur zu bebildern, sondern kritisch nachzuprüfen. Die Topographie der während der Reise genannten Orte und der Insel Fanø weist mehrfach Brüchigkeiten auf und enthält Überblendungen, welche den Schauplatz weitgehend literarisieren. Rathjen stellte dar, wie auch die Angaben zur Topographie zum Verwirrspiel von ›Wahrheit‹ und Illusion gezählt werden können.

* * *

Am Nachmittag gab es die Gelegenheit, Arno Schmidts Görlitz besser kennen zu lernen. Alexander Jerofsky und Wolf-Dieter Krüger führten die Tagungsteilnehmer zu verschiedenen Schmidt-Orten, unter anderem zur ehemaligen Schule Hanne Wolffs, zur bekannten Treppe am Südausgang des Görlitzer Bahnhofs, wo sich Schmidt und Heinz Jerofsky nach Schulzeit immer unterhielten, und zu Schmidts ehemaliger Schule.
Dort übernahm Frau Schiefer, Direktorin der Schule, die Führung.
Anschließend hielt Rudi Schweikert in der Aula einen kurzen Vortrag über Arno Schmidts Schulzeit, über seine Klassenkameraden und über einige seiner Lehrer (»Arno Schmidts Lieblingslehrer – ›ein persönlicher Lieblingsschüler Einsteins‹?«).

Sonntag, 2. Oktober 2005

Am regnerischen Sonntag war eine Autobusfahrt nach Polen geplant. Erster Halt war Lauban, wo Wolf-Dieter Krüger die Teilnehmer durch die Stadt führte, unter anderem zum Stadtwall und zum Laubaner Bahnhof.
Danach begrüßte Konrad Rowinski, der Laubaner Bürgermeister, die durchnässten Teilnehmer herzlich in seiner Stadt und gewährte ihnen nicht nur mit Kaffee und Tee Gastfreundschaft. Rowinski erzählte über die Geschichte Laubans, und sprach von der Bedeutung Arno Schmidts für das kulturelle Leben. Dolmetscherin war Anna Pzytulska.

Im Laubaner Konferenzsaal wurde anschließend der letzte Vortrag des wissenschaftlichen Programms gehalten. Peter Sinram sprach über »Arno Schmidt und die Nähe zu Polen«, und kommentierte die Ambivalenzen in Schmidts Polenbild. Auch gab es die Gelegenheit, das Laubaner ›Arno-Schmidt-Zimmer‹ zu besuchen.
Nachdem die Teilnehmer sich an der leckeren polnischen Küche gelabt hatten, ging es schließlich nach Greiffenberg, wo Wolf-Dieter Krüger die Tagungsteilnehmer zu Schmidts Miethaus und den Greiff-Werken führte.
Ein Abendessen am Ufer der Neiße schloss die Tagung ab.