17. Jahrestagung in Freiburg

Die 17. Jahrestagung der GASL 2002 fand vom 25. bis zum 27. Oktober 2002 in Freiburg im Breisgau statt. Tagungsort war das Stadthotel Kolping.

Die wissenschaftliche Leitung lag bei Gregor Strick. Für die Organisation vor Ort war Ulrich Schuch verantwortlich.

Tagungsprogramm Informationen zum Rahmenprogramm

Alle Wege ins Zentrum Freiburgs führen auch zum Münster Unserer Lieben Frau. Dieser um 1200 als Grabkirche der Zähringer Herzöge und Pfarrkirche der Stadt gegründete Bau wurde nach einem ersten, noch romanischen Bauabschnitt – heute vor allem noch im Querhaus und den Untergeschossen der Hahnentürme erkennbar – in gotischer Bauweise mit der Errichtung des Westturms um 1330 vollendet. Mit 1455 war auch die anschließende spätgotische Erneuerung und Erweiterung des Chores abgeschlossen, so daß der Bau des Freiburger Münsters im Gegensatz zu anderen großen gotischen Kirchen Deutschlands in seiner Gesamtheit noch im Mittelalter vollendet wurde. Besondere Akzente setzen die mittelalterlichen Glasfenster und der Hochaltar von Hans Baldung Grien. Chor und Chorumgang beherbergen die alte Universitätskapelle mit dem Oberriedtaltar von Hans Holbein d. J. und zahlreiche Epitaphe Freiburger Professoren. Seit 1827 ist das Münster zugleich Kathedralkirche des Erzbistums Freiburg im Breisgau.

Tagungsprogramm

Freitag, 25. Oktober 2002

17:00 Mitgliederversammlung und Neuwahl des Vorstandes
18:30 Gemeinsames Abendessen
20:15 Friederike Kretzen liest aus ihrem Roman »Übungen zu einem Aufstand«

Samstag, 26. Oktober 2002

09:00 Susanne Fischer: »And none can read the text, not even I«. Arno Schmidts »Zettel’s Traum« als Medienereignis.
10:00 Giesbert Damaschke: Giesbert Damaschke: Warum »Zettel’s Traum« lesen? Überlegungen zur Nicht-Rezeption von Arno Schmidts Roman.Warum »Zettel’s Traum« lesen? Überlegungen zur Nicht-Rezeption von Arno Schmidts Roman.
11:00 Peter Sinram: »Leben meine Werke noch im Volke?« Die Schmidt-Rezeption der ›Dritten Generation‹.
12:00 Mittagspause
13:00 Podiumsdiskussion: »Schmidt verstehen«.
15:00 Besichtigungsprogramm (alternativ):
1) Karl May – Aspekte zu Leben und Werk. Ausstellung des Museums für Stadtgeschichte
2) Besichtigung des Münster.
20:00 Gemeinsames Abendessen, Hotel Rappen.

Sonntag, 27. Oktober 2002

09:00 Franz-Josef Knelangen: Arno Schmidt und Hypertext.
10:00 Daniela Mett: Spuren Arno Schmidts in Norwegen
11:15 Friedhelm Rathjen: »He takes his Whisky strong« – Ein kriegerischer Dechiffrierversuch zum Nibelungenlied in »Kaff«.
12:15 Ende der Veranstaltung

Informationen zum Rahmenprogramm

Während der Dauer der Tagung findet im Tagungsraum eine kleine Erinnerungs-Ausstellung zu Rainer Maria Gerhardt statt.

Friederike Kretzen wurde 1956 in Leverkusen geboren, studierte Soziologie und Ethnologie in Gießen. Schon während des Studiums begann sie, eine eigene Theatergruppe aufzubauen und erste Essays zu veröffentlichen. Nach dem Studienabschluss arbeitete sie zunächst als Regieassistentin am Gießener Stadttheater, dann als Dramaturgin am Residenz-Theater in München. 1983 zog sie nach Basel, wohin es sie von längeren Auslandsaufenthalten in Amsterdam, Boston, London, Venedig immer wieder zurückzieht. Neben der schriftstellerischen Arbeit ist Friederike Kretzen publizistisch und als Dozentin tätig: publizistisch für Radio DRS2, für die Neue Zürcher Zeitung und die Basler Zeitung, als Dozentin für Theorie und Schreiben an der Schule für Gestaltung in Zürich. Seit dem Sommersemester 1996 leitet Friederike Kretzen die »Schreibwerkstatt« an der Eidgenössischen Technischen Hochschule, Zürich, in Vertretung bzw. gemeinsam mit Adolf Muschg. Außerdem arbeitet sie bei Vorbereitung und Durchführung der Reihe »Autoren der Gegenwart« und »Holozän« des Collegium Helveticum an der Sternwarte Zürich mit. – Friederike Kretzen ist Stipendiatin der Arno Schmidt Stiftung 2002/2003.

Karl May – Aspekte zu Leben und Werk. Ausstellung des Museums für Stadtgeschichte. Seit dem Jahr 1892 arbeitete Karl May mit dem Freiburger Verlag von Friedrich Ernst Fehsenfeld zusammen. Noch heute gilt die »Freiburger Ausgabe« in den berühmten grünen Bänden als bedeutendste Edition der Werke des »Reiseschriftstellers«. Die Verbindung Mays zu Freiburg ist für das Museum für Stadtgeschichte Anlaß, eine 1999 mit großem Erfolg in Ludwigsburg gezeigte Ausstellung zum Leben und Werk Karl Mays in den Breisgau zu holen. Sie wird für Freiburg neu zusammengestellt. Ein Ausstellungsteil wird sich dem Verleger Fehsenfeld und seinem Freiburger Verlag widmen. Die Ausstellung beleuchtet mit Text/Bildtafeln und zahlreichen Originalen Aspekte der Biographie Karl Mays und sein gesamtes literarisches Werk unter verschiedensten Fragestellungen: Gestaltung der verschiedenen Ausgaben, die Künstler, Rezeption im Film und Video, Spiele, Figuren, Freilichtbühnen, Verlage usw.

Rainer Maria Gerhardt wurde am 9. Februar 1927 in Karlsruhe geboren. Nach dem Besuch der Volksschule begann er 1941 eine Lehre bei einer Karlsruher Lebensversicherung. 1942 ging er nach Wien. Gegen Ende des Krieges beging Gerhardt Fahnenflucht und schlug sich zu Titos Partisanen nach Jugoslawien durch. Bereits ein Jahr nach Kriegsende verlieh die Stadt Wien dem Neunzehnjährigen den Jugendliteraturpreis. Im Jahre 1947 schrieb er sich als Gasthörer im Fach Philosophie an der Universität Freiburg ein. Er gründete dort mit Claus Bremer, Renate Zacharias, u. a. die »Gruppe der Fragmente«, zu der wenig später auch Hans Magnus Enzensberger gehörte. Gerhardt baute Verbindungen zu wesentlichen Repräsentanten der modernen Literatur: zu Ezra Pound, William Carlos Williams, Charles Olson und Robert Creeley in Amerika, zu André Breton und Max Ernst in Paris, zu Hans Arp in Basel. Gerhardts großer Wunsch war es, nach dem Krieg mitzuhelfen, eine neue, avantgardistische Form der Literatur zu fördern, die sich international orientiert und den Anschluß an die internationale Literatur- und Kunstavantgarde findet. Doch das restaurative Zeitklima war gegen ihn und seine ambitionierten Pläne. Gerhardt entschloß sich, nach Frankreich zu emigrieren, doch seine finanzielle Situation ließ dies nicht zu. Er verfiel in Resignation und Depression. Die finanziellen Probleme wuchsen dem jungen Verleger über den Kopf. Mit seinen eigenen Arbeiten konnte er den Verlag nicht mehr über Wasser halten. Gerhardt verdingte sich als Sprecher für den Südwestfunk und als Vortragsredner. Die Schuldenlast wurde immer erdrückender für Gerhardt. Am Nachmittag des 27. Juli 1954 setzte Rainer M. Gerhardt seinem Leben ein Ende.