|
|||||||
Zitate aus dem Werk Arno SchmidtZitiert wird nach der »Bargfelder Ausgabe« unter Angabe von Abteilung/Band, Seitenzahl.
Freilich, wenn man Geld hätte ...... Ich wüßte es jetzt schon richtig anzuwenden: ein winziges Häuschen in der Heide (achttausend höchstens; nicht wie diese Bausparkassen, die mit Zwanzigtausend um sich werfen, als wär’s ein bloßer Silbenfall); im Ställchen eine Isetta; Eintausend erlesene Bücher: einmal in aller Ruhe die ‹Insel Felsenburg› durchgehen können, den ‹Nachsommer›, oder Lessing von A bis Z; zur Nacht ein richtiges Bett zum Drinniederlegen (nicht mehr dieses dürre indianerrote Gestelle von Schlafcouch!); nichts mehr ums liebe Brot schreiben zu brauchen, keine ‹experimentelle Prosa› mehr, keine feinsinnigen ‹Essays›, keine ‹Nachtprogramme›; an Uhren werden nur die lautlosen geduldet, die mit Sand und Sonne, oder höchstens im Korridor eine alte Standuhr, die alle Ewigkeiten, nachdem man vieles und vielfältiges gedacht hat, vor sich hin ‹Mnja› sagen. Den Mond untergehen sehen, über Wieseneinsamkeiten, ganz rot würde das silberne Wesen geworden sein, wenn es einsank in Dunstband und Kiefernborte … Schulausflug, 1957, BA I/4, 111
Ich schreibe am liebsten Braun auf Chamois: das strengt die Augen am wenigsten an. Weiß auf Schwarz hat mir viel=zu=viel Irradiation. Kundisches Geschirr, 1962, BA I/3, 392
Wir haben Alles mit Schmerzen versehen: das Licht »verbrennt«; der Schall »erstirbt«; der Mond »geht unter«; der Wind »heult«; der Blitz »zuckt«; der Bach »windet sich« ebenso wie die Straße. / Mein Herz pumpte die Nacht aus: Blödsinnige Einrichtung, daß da ständig sonne lackrote Schmiere in uns rum feistet! N steinernes müßte man haben, wie beim Hauff. Das steinerne Herz, 1956, BA I/2, 70
Eine alte Frau, auf ein Fahrrad gestülpt, unsicherte durch Schulkinder. Aus dem Leben eines Fauns, 1952, BA I/1, 371
Jeden Morgen verwandelt man sich vermittelst Chemikalien, Wasser & Seife, aus einem spreizhaarigen fettigen Troll in ein glattköpfig=kühles Gedankenwesen. Die Gelehrtenrepublik, 1957, BA I/2, 305
(Op ich nach’m Tode 1 Ofen weer’? Mein ‹Licht› hat Niemandem geleuchtet; nur immer mich verbrannt. – Nu von mir aus.) Kaff auch Mare Crisium, 1960, BA I/3, 46
Früher, als junger Mensch, hab’ ich mir wohl auch eingebildet, die Mienen= und Gebärden=Sprache sei von Liebenden erfunden worden – so ‹Nachbarskinder›, von ‹harten Eltern› vorsichtshalber auf Armlänge auseinander gehalten; (obschon mir dunkel schwante, daß die sich nach & nach nachdenkliche Sachen telegrafiert, gewinkt, hinundhergezeigt haben würden; a=part a=part.) Später dacht’ ich, es könnten kluge Diebe gewesen sein, nachts, in behelfsmäßig erleuchteten Juwelierläden; oder auch abhörgerätumstellte Politiker, in den Sieben Bergen, ruhend auf Rasengrund, zur Koalition bereit. Heute weiß ich, daß es zwei ältere Männer an der Kreissäge gewesen sein müssen; nach ungefähr 40 Minuten. Kühe in Halbtrauer, 1961, BA I/3, 337
Und wänn Ihr=Mich schteinicht: Deutschland iss mir unganz am liebstn. Zettel’s Traum, 1969, S. 467
Die halbe Nazion iss irre; (& die andre Hälfde nich ganz bei Groschn!) Die Schule der Atheisten, 1971, BA IV/2, 195
SA, SS, Militär, HJ undsoweiter: die Menschen sind nie lästiger, als wenn sie Soldaten spielen. (Kommt bei ihnen wohl periodisch in jedem Jahrzwanzicht, ungefähr wie Malaria, neuerdings noch schneller). Am Ende sind doch immer die Schlimmsten Meister, das heißt: Vorgesetzte, Chefs, Direktoren, Präsidenten, Generale, Minister, Kanzler. Ein anständiger Mensch schämt sich, Vorgesetzter zu sein! Aus dem Leben eines Fauns, 1953, BA I/1, 304
|
|||||||
|
© 1997–2008 Gesellschaft der Arno-Schmidt-Leser e. V. |
|||||||